“Vater Staat” im Wandel der Geschichte

“Vater Staat” im Wandel der Geschichte

Auf das Wort Idiot reimt sich nicht nur Jod, nein es gibt auch das Lot, das Boot, etwas Brot, die Not usw. , die sich darauf reimen! Auch das Wort “Patriot” klingt ähnlich. Im Großen und Ganzen ist mit diesem Wort ein Bürger gemeint, der seine eigene Identität sehr stark durch seine nationale Zugehörigkeit definiert! Patriotismus und Nationalismus gehen daher oft Hand in Hand. Was ist aber eigentlich eine Nation?

In grauer Vorzeit war die Welt noch so dünn besiedelt, dass eine Familie, die damals übrigens nomadisch lebte, tagelang durch das weite Land ziehen konnte, ohne dabei einer anderen Sippe zu begegnen! Mit der Zeit wurden die Sippen zahlreicher und mehr und mehr der Familien, die einst die Freiheit genossen hatten, immer unterwegs zu sein, ließen sich schließlich nieder und wurden “sesshaft”. Die Anzahl der Menschen in einer Gemeinde wuchs stetig an, und so kam es dazu, dass ein Machtgerangel zwischen den Stärksten immer häufiger und wahrscheinlicher wurde. Welche Hormone es auch waren, die einen Mann gegen den anderen in den Kampf ziehen ließen, wäre es nach den Frauen gegangen, so hätte es diese Kriege bestimmt wohl nicht gegeben, oder?

Nun denn, der Drang der Starken nach Machtausübung hatte nichts Familiäres mehr an sich, ganz so wie ein strenger Vater seinen Kindern eben mehr verbietet, als das er ihnen erlaubt … . Durch die Wirren der Geschichte entwickelten sich Großverbände von Mächtigen, die sich dann später als “Staaten” begriffen. In diesem Zusammenhang ist dann auch die Redewendung “Vater Staat” einleuchtend, denn der Staat nahm dann quasi die Rolle des strengen Vaters, allerdings in der größeren Gemeinschaft statt in der Familie, ein! Über der Familie standen fortan also nicht mehr die Stammesführer und Sippenältesten, sondern folglich Staatsmänner.

Auch wenn heute gemutmaßt wird, alle Menschen hätten gemeinsame Vorfahren, so darf man doch annehmen, dass heutzutage die Vielfalt der Menschen wahrhaft riesengroß ist! Allein schon ein Verwandter, der vor 50 Jahren in ein fernes Land ausgewandert ist, kann uns Neuzeitmenschen heute bezeugen, wie fremd sich Menschen überhaupt schnell werden können, wenn sie über lange Zeit hinweg weit voneinander entfernt leben. Wäre es also verwunderlich, anzunehmen, innerhalb von ein paar Millionen Jahren hätte sich aus einer einzigen Menschenfamilie womöglich die gesamte heutige Menschheit entwickelt?

Was die Entwicklung von Staaten anbetrifft, ging die geschichtliche Entwicklung auch in Hand mit sprachlichen und kulturellen Umwälzungen! So konnten sich in unterschiedlichen Hoheitsgebieten jeweils eigentümliche Sitten breitmachen, was in der Tat die Identität der Leute mit ihrer Region zu verbinden vermochte. Die Kultur verband sich mit der Geografie, und die Leute sahen sich bald als “Bayer” oder “Sachse“, entsprechend ihrer Ursprungsregion.

Die regionalen Identitäten wurden vom Adel vergangener Jahrhunderte begünstigt, da es ja in jeder Gegend einen Grafen oder Fürsten gab, der seinen Ruf gern bis über die Grenzen seines eigenen Herrschaftsbereichs hinweg erschallen lassen wollte, und was hätte sich hierbei besser angeboten, als einer ganzen Region quasi zu ihrer eigenen Identität zu verhelfen? – Dann würden sicher bei jeder Erwähnung der kulturellen Gepflogenheiten einer bestimmten Gegend auch die Namen der dort herrschenden Adelsfamilie genannt!

In späteren Zeiten, als das Volk sich nicht mehr dem Adel verpflichtet fühlte, sorgte der allgemeine Überdruss für die Umwälzungen, die schließlich ins heutige System der Politik mündeten. Auch schon vor Ende der Adelszeit gab es Bestrebungen, die Bürger von ihrer markanten regionalen Zugehörigkeit zu entwöhnen, und sie eher dem Kollektivbegriff “Staat” anhänglich zu machen, doch diese Versuche beeindruckten die meisten Leute damals so gut wie wenig. Mit großflächiger Einführung beziehungsweise Ausweitung der “Demokratie” änderte sich plötzlich der Elan, mit dem jetzt überschwänglich dem Neuen zugejubelt wurde!

Alles Alte wurde abgelehnt, denn der Adel war untragbar für die Bevölkerung geworden, weil er sich, aus Sicht der Leute, vornehmlich zweckfremd der Massen “bediente”, um selber im Luxus zu schwelgen, während das “einfache”, sprich nicht adlige, Volk oft kein leichtes Leben hatte! Die Hierarchie wurde als Diktat empfunden, was letztlich den Begriff der Freiheit, wie schon des Öfteren zuvor in der Geschichte, wieder zum Hauptaugenmerk der Bürger machte. Man wollte einfach keine Unterdrückung durch den Adel mehr dulden!

Innerhalb des 19. und 20. Jahrhunderts hat sich die Welt, abgestoßen, ja geradezu angeekelt, von der vormaligen Herrschaftsform, sei es nun Monarchie oder Aristokratie gewesen, mit großen Schritten der demokratischen Politik genähert, was im selben Atemzug dann wiederum auch zur verstärkten Bildung nationaler Identitäten führte. Selbst in der heutigen Zeit, wo Reisepässe oder ähnliche Formalitäten den Bundesbürger auf seine nationalen Bindungen hinweisen, gibt es dennoch weiterhin lokale Identitäten wie die Hamburger, die Friesen, die Hessen usw. zu finden.

Das frühe 21. Jahrhundert ist geprägt von der Erinnerung an schreckliche Kriege, die zum Großteil nationalistischen Ideen geschuldet sind, weshalb der Patriotismus an sich diese schlimme Zeit quasi in Erinnerung zu rufen und Revue passieren zu lassen vermag, was dann unweigerlich zu allgemeinem Unbehagen führt! Nationalismus und Rassismus waren die Themen um den Beginn der heutigen Demokratie herum. Nun ist die Gesellschaft endlich weltweit dabei, sich zu vernetzen, was im Handumdrehen aus Deutschen, Engländern, Indern, Chinesen, Spaniern, Portugiesen, Franzosen … und auch allen anderen Nationalitäten Weltbürger macht!

Die Phase der Nationen in der Weltgeschichte scheint zu Ende zu gehen, während das Internet den Weltbürgern von morgen vor Augen führt, wie sehr die ganze Welt in Zukunft noch zusammenwachsen muss und wird! – Ist dies an sich nicht eigentlich ein Signal für friedliche kommende Zeiten?

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